
Die Frage, welches der beste Spargelwein ist, beschäftigt jedes Jahr Hunderte, wenn nicht gar Tausende von Fachleuten in ganz Europa. Über den besten Wein zu Wild, zu Austern, zu Trüffel, zu Grillsteak, zu Hummer oder zu Käse werden lange Abhandlungen geschrieben. Spitzenköche aus aller Welt tüfteln an dem idealen Gericht für einen großen Bordeaux oder für einen gereiften Jahrgangschampagner. Vor einigen Jahren war ich bei einer Probe zu Gast, auf der ein 1961er Pétrus gereicht wurde - vielleicht der beste Rotwein des letzten Jahrhunderts. Der edle Spender liess extra einen Sterne-Koche zu dem Event einfliegen, der sich am Ende allerdings dafür zu entschied, nur ein Stück reifen Parmesan-Käse zu dem Hochgewächs zu reichen. Und auch der Besitzer der Domaine de la Romanée-Conti im Burgund führte mich seinerzeit ins Dorfgasthaus aus, um mir einen seiner sündteuren Weine vorzuführen. Dort gab es einen simplen Coq au Vin. „Je besser der Wein, desto einfacher das Gericht“ erklärte der Wirt, und der Winzer nickte.
An diese Worte musste ich am letzten Wochenende denken, als ich die Süddeutsche Zeitung aufschlug. Angela Merkel habe, obwohl sie 2002 auf die Kanzlerkandidatur verzichtet hatte, Wahlkampf für Edmund Stoiber gemacht. Abends nach ihrem letzten Auftritt und vor dem Schlafengehen soll sie irgendwo im Osten noch fröhlich mit ein paar Journalisten zusammen gesessen haben. Sie sei gar nicht frustriert gewesen, weil sie dem damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten den Vortritt gelassen habe. Sie hätte munter erzählt, viel gelacht, den alten Helmut Kohl nachgeäfft und - Rotwein mit Erdnüssen genossen. Was für ein Rotwein es war, ist nicht überliefert. Vielleicht war es ein Zweigelt vom Freyburger Edelacker oder ein Portugieser vom Grossjenaer Blütengrund, also Perlen der Rotweinkultur aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut. Vielleicht war es auch ein Lübecker Rotspon. In Lübeck war Angelika Merkel am Tag vorher. Dass es ein berühmter Franzose war, ist eher unwahrscheinlich. Den müsste sie sich selber mitgebracht haben, und meist ist sie mit kleinem Gepäck unterwegs, heute jedenfalls, als Bundeskanzlerin.
Die Erdnüsse stammten wahrscheinlich aus der Minibar ihres Hotelzimmers. Ültje oder so. Jedenfalls hat sie, bewusst oder unbewusst, den Satz beherzigt, dass das Gericht zu einem Rotwein, einem guten zumal, tunlichst einfach sein soll. Und ihre gute Laune spricht dafür, dass die Kombination mit den Erdnüssen eine gelungene war.
Wozu also tüfteln und grübeln, wenn es im Notfall auch ein paar Kerne tun? Oder eine Tüte Chio Chips. Haben Sie, liebe User, es schon mal mit diesen Beilagen ausprobiert? Ich bis jetzt gestern auch nicht. Aber heute, da habe ich eine Packung Erdnüsse gekauft und einen Rotwein dazu aufgemacht. Siehe Foto oben. Es schmeckte... Nun, ich will nichts vorwegnehmen. Probiert Ihr es doch einmal aus.