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Party auf Ornellaia: der 2006er ist da

Autor/in:
Jens Priewe

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Verfasst am 16. Juni 2009

 
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Party auf Ornellaia: der 2006er ist da

16. Juni 2009 - 17:10 Uhr von Jens Priewe
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In die Gehirne der Italiener ist das Jahr 2006 wie in Stein eingemeisselt. Am 9. Juli besiegte die Fußball-Nationalmannschaft des Landes nach einem dramatischen Elfmeterschießen den Erzrivalen Frankreich mit 5 : 3. Italien war Fußballweltmeister. Unbeschreibliche Freunde im ganzen Land. Grenzenloser Stolz. Der Erfolg überstrahlt bis heute alles, was es an Positivem und Negativem sonst noch zu berichten gab. Etwa die Tatsache, dass 2006 in fast allen Regionen des Landes ein großer Rotweinjahrgang war, der reiche, opulente Weine hervorgebracht hat, wie es sie lange nicht mehr gegeben hat.

Dieser Tage kommt nach fast dreijähriger Lagerzeit einer der Besten auf den Markt: der 2006er Ornellaia. Er wächst in dem gleichnamigen Wengut an der toskanischen Mittelmeerküste, das den Marchesi de’ Frescobaldi gehört, und ist einer der berühmtesten Rotweine Italiens: dunkel in der Farbe, nach Brombeeren, Johannisbeeren, Teer duftend, dazu Gewürznelken, Vanille sowie einen Hauch von Pfeffer und Eukalyptus. Im Mund dann konzentriert, powerful – und tanninreich. Leute, die nicht mögen, wenn ein Wein am Gaumen pelzt, sollten die Finger von ihm lassen. Aber Tannin ist das Wichtigste an dem Wein. Es hält ihn zusammen wie ein Korsett. Es macht, dass er nicht sang- und klanglos in der Mundhöhle versickert, sondern gibt ihm Länge. Wenn 100 Punkte des  Maximum wären, erreichte der 2006er Ornellaia rund 95 Punkte. Manche Kritiker haben ihm auch schon 97 Punkte gegeben. Der Mann, neben dem ich bei der festlichen Vorstellung des Weins auf dem Gut vor einem Monat am Tisch saß, sprach ihm  sogar übermütig 101 Punkte zu. Aber das war ungefähr nach dem zehnten Glas, und als das Dessert serviert wurde, bat er den Kellner, ihm noch mal nachzuschenken. Vielleicht ahnte er, dass es das letzte Mal sein werde, dass er diesem Wein so reichlich zusprechen könne?

Der 2006 Ornellaia hat nämlich auch eine traurige Seite: den Preis. Die Flasche kostet 122 Euro. Das ist der Monatsbeitrag in einem Fitness-Centers oder eines Abendessens beim Italiener für vier Personen. Ein Menge Kohle! Die gute Nachricht ist, dass Ornellaia auch einen Zweitwein erzeugt. Er wird aus denselben Traubensorten gewonnen (Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet franc, Petit Verdot) und trägt die Handschrift des gleichen Kellermeisters. Einzige Unterschiede: der Name (Le Serre Nuove) und die Rebstöcke. Sie sind noch jung. Der Wein, den sie geben, ist nicht ganz so aristokratisch-ausgewogen wie der von alten Rebstöcken. In sehr guten Jahrgängen (wie 2006) ist der Unterschied zum Spitzenwein jedoch gering. Schlaue Füchse kaufen deshalb in solchen Jahren gern den Zweitwein. Er kostet rund 75 Prozent weniger als der Spitzenwein des Gutes (Bezug: www.wein-hinterecker.de, € 32,50, Transport: € 6,50 für sechs Flaschen), qualitativ aber nur höchstens 30 Prozent niedriger.

Ich habe den Le Serre Nuove während des Dinners immer wieder neben den Ornellaia gestellt. Ein bisschen ungestümer ist er schon, aber ebenfalls von ausserordentlicher Aromentiefe und vermutlich von grosser Langelebigkeit. Meinem trinkfreudigen Tischnachbarn erzählte ich, dass ich mir ein Kistchen dieses Zweitweins in den Keller zu legen gedenke. Er sah mich verständnislos an. „Man muss in Zeiten knappen Geldes nicht schlechter, sondern besser trinken, schon um zu vergessen“, versuchte er mich von meinem Vorhaben abzubringen. Ich erklärte ihm meinen begrenzten Dispo-Kredit und erwähnte, dass die Italiener, bevor sie 2006 Weltmeister wurden, die Deutschen aus dem Turnier geworfen hätten. Welchen Grund hat einer, dem das "Sommermärchen" auf diese Weise vermiest wurde, mit einem italienischen Spitzenwein zu feiern? Da hielt der Marchese Ferdinando de’ Frescobaldi einen Augenblick inne, füllte mein Glas und seines noch einmal auf und prostete der ganzen Partygesellschaft zu: „Eviva Italia!“

 
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