Experteninterview: Hits im Sommer
Was waren die Sommerhits 2007 und was erwartet die Weintrinker im Herbst? Weinexperte Jens Priewe hat dazu ein Interview mit Jan Scharfe geführt. Der 30-jährige Weinhändler aus dem Kultrestaurant Sansibar auf Sylt verriet Jens Priewe, das ein Rosé aus Frankreich das Rennen gemacht hat. Erfahren Sie außerdem, was jetzt im Herbst ins Weinglas kommt. Nur soviel sei verraten: Diese Weine sind alle alle weich, schmelzig und geschmacksintensiv.
Inhalt:
Weinexperte
Jens Priewe stellt die Fragen
Das Experteninterview
Jens Priewe: Der Sommer ist vorbei. Worauf hatten die Urlauber auf Sylt dieses Jahr Durst?Scharfe: Unser Sommerhit war ein lachsfarbener Rosé aus Südfrankreich. Der lief bei uns wie geschnittenes Brot, draußen in den Dünen, drinnen im Restaurant sowie im Versandhandel. Der südfranzösische Winzer Charles Mock hat ihn exklusiv für uns abgefüllt.
Jens Priewe: Was war das Besondere an diesem Wein?
Scharfe: Er war leicht, knackig frisch, hatte wenig Alkohol, einen niedrigen Säuregehalt und diese unheimlich tolle, animierende Farbe, die für Urlaub, Sommer und unkomplizierten Genuss steht. Ein Wein, den man auch mit Eiswürfeln trinken kann, ohne sich zu schämen.
Jens Priewe: Und was wurde sonst getrunken?
Scharfe: Jede Menge Weißwein, wobei der Trend auch hier zu leichten, unkomplizierten Gewächsen geht.
Jens Priewe: Also Schlabberwasser?
Scharfe: Das klingt mir zu negativ. Robert Bauerns Weißburgunder „Der Bauer“ aus Württemberg kann man zwar genüsslich schlabbern. Aber er ist kein Wasser. Erst recht gilt das für die Cuvée GrauWeißGrau, das Gesellenstück von Armin Diels Sohn Victor. Diese Cuvée aus Weiß- und Grauburgunder von der Nahe ist ein höchst respektabler Wein. Aber er macht keinen Kopf, wie man in Norddeutschland sagt. Das heißt: Man kann ihn auch ohne große Vorkenntnisse in vollen Zügen genießen.
Weinhändler
Jan Scharfe verrät die Weintrends
Scharfe: Im Herbst und im Winter wird sich wieder alles um Rotwein drehen. Die Kenner greifen zu den bewährten, altbekannten Etiketten. Da haben wir so ziemlich alles auf Lager, was das Herz begehrt. Die weinmäßig weniger festgelegten Gäste lassen sich dagegen gern auf unsere Sansibar-Philosophie ein: auf leckere Weine, die jetzt und nicht erst in vager Zukunft schön zu trinken sind.
Jens Priewe: Weine welcher Herkünfte?
Scharfe: Die Herkunft der Weine ist den Gästen egal. Unsere meistverkauften Weine, das sind der La Massa aus dem Chianti Classico, der Shiraz Anna aus Südafrika, der Cabernet-Merlot von Capitoul aus dem Languedoc und der Braida Rosso aus dem italienischen Piemont. Von diesen vier Weinen geht eine Menge weg. Sie kommen aus ganz verschiedenen Gegenden, sind aber alle weich, schmelzig, geschmacksintensiv und relativ preiswert. Anspruchsvollere Zungen trinken Brunello di Montalcino, Pinot Noir von Gantenbein aus der Schweiz oder eine spezielle Cabernet-/St.-Laurent-Cuvée, die Markus Schneider aus der Pfalz für uns produziert. Aber die kosten gleich zwischen 25 und 60 Euro im Versandhandel. Das heißt 50 bis 100 Euro im Restaurant.
Jens Priewe: Und was ist mit Bordeaux?
Scharfe: Bordeauxweine brauchen Zeit, um genussreif zu werden. Die Weintrinker, mit denen wir heute zu tun haben, wollen jetzt genießen und nicht erst in zehn Jahren. Als Alternative zu überteuerten Bordeaux setzen wir auf Cabernet Sauvignons beziehungsweise Merlots aus Kalifornien, Argentinien und Italien. Der Winter kann also kommen.
Kultrestaurant Sansibar
Die Sansibar ist ein Kultrestaurant auf Sylt. Mehrere Tausend Gäste speisen dort täglich und genießen die edlen Tropfen aus dem reich bestückten Keller. Die Weine werden auch über einen eigenen Versandhandel vertrieben. Die Weinliste, auch „Sansibar-Bibel“ genannt, kann direkt angefordert werden über www.sansibar.de
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